Die Rasenden Reporter
Interview - Regisseur Bernd Sahling
Die Blindgänger
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Das Interview mit
Regisseur Bernd Sahling
führte Yunus Özsoy.
Wie kamen Sie auf die Idee einen Film über und mit Blinden zu drehen?
Durch meine Erfahrung und meine Filme mit Blinden. Weil ich über 20 Jahre mit einem blinden Mädchen gedreht habe, mehrere Dokumentarfilme, von ihrem 2. bis zum 19. Lebensjahr. Ich habe ganz viele Geschichten dabei erlebt, die ich gern mal in einem Spielfilm unterbringen wollte.
Wie haben Sie die Hauptdarsteller gefunden?
Lange gesucht. Zehntausend Kilometer durch Deutschland gefahren von Blindenschule zu Blindenschule und Sehschwachenschule. Da habe ich ganz viele Kinder kennengelernt, die alle in diese Internatsschulengehen. Oder die in normale Schulen gehen, aber sehbehindert sind. Mit denen habe ich Szenen gespielt und dabei Kinder ausgewählt. Dann wurde der Kreis immer enger und am Ende haben wir die Kinder gewählt, die in dem Film spielen.
Kam es beim Dreh zu Schwierigkeiten wegen der Sehbehinderungen der Hauptdarsteller?
Eigentlich nicht. Weil sie noch genug sehen, um sich oreintieren zu können. Der Drehstab hat große Rücksicht genommen, wir hatten mehr Zeit als man normalerweise hat, weil es doch etwas langsamer geht. Und bei besomnders schwierigen lichtverhältnissen haben wir immer aufgepasst, dass sie nirgendwo drüber fliegen, aber ansonsten war das Drehen fast ganz normal.
Es war aber nicht immer leicht mit der Kälte. Die Darsteller haben manchmal sehr gejammert wegen der Kälte. Wenn man draußen dreht, kann man mal in den Bus gehen und sich aufwärmen. Aber so ein Dreh dauert ja acht Stunden und acht Stunden im Kloster in einem Kreuzgang zu stehen, das ist dann sehr anstrengend.
Was gefällt Ihnen an Ihrem Beruf als Regisseur?
Dass man Geschichten erfinden und erzählen kann mit allen Kunstmitteln, die es so gibt - Musik, Bilder, Sprache - das fließt alles ineinander, man muss sich mit allem auseinandersetzen und kann alles einsetzen.
Was hat Ihnen beim Dreh am meisten gefallen?
Dass ganz viele Leute, die ganz unterschiedliche Dinge können, an einer einzigen Geschichte arbeiten und dafür sorgen, dass auf einmal der Ton Kraft hat und passt, dass auf einmal das Szenenbild zu dem passt, was wir ins Drehbuch geschrieben haben, dass der Kameramann Bilder findet und Kamerabewegungen, die genau zu dem Moment passen, wo sie hingehören. Alle versuchen ihr Eigenes zu finden, was dann zusammen passen muss und eine Geschichte ergeben muss. Das war für mich das Tollste. Und dann die Aufgabe zu haben und dafür zu sorgen, dass es zueinander passt.
Gab es auch Meinungsverschiedenheiten?
Jede Menge und oft. Ich glaube, dass das zum Drehen dazu gehört. Deswegen wurde der Regisseur erfunden, dass er sich die vielen Ideen und Meinungen anhört und dann entscheidet, welche in seine Geschichte passen. Weil sonst würde es wie mit dem Brei und den vielen Köchen gehen, die alle irgendwas reinschmeißen, was sie so denken und den Brei dann verderben.
Vielen Dank für das Interview, Herr Sahling.
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