Die
Rasenden Reporter:
DER
HIMMEL FÄLLT
"Der
Film ist sehr traurig!" - das wurde mir gesagt, bevor ich "Il
Cielo cade" gesehen habe. Wahrscheinlich passt das Wort "erschütternd"
besser. Denn dieser Film zeigt mit Härte, was sich 1944 in einer
Villa in der Toskana abspielte: Nachdem die Eltern von Penny, einem
8-jährigen Mädchen, und deren jüngerer Schwester Baby
durch einen Unfall ums Leben kamen, ziehen die beiden Mädchen zu
ihrem Onkel Wilhelm Einstein und dessen Frau Kätchen (Isabella
Rossellini) in die Toskana. Dort werden sie liebevoll aufgenommen und
genießen schon bald ihr Leben in dieser idyllischen Umwelt. Im
Gegensatz dazu steht die harte Realität: Der Zweite Weltkrieg tobt
und die Einsteins schweben in Lebensgefahr. Denn sie sind Juden und
das Land ist noch von den Deutschen besetzt. Als der Krieg für
die Alliierten schon fast gewonnen ist und die Engländer schon
bis in die Toskana vorgedrungen sind, bricht die Grausamkeit und Brutalität
des Naziregimes in die Welt von Penny und Baby ein und zerstört
deren Kindheit mit einem Schlag...
Diese Geschichte hat sich wirklich abgespielt: Der Roman "Der Himmel
fällt" in dem Lorenza Mazzetti ihre Geschichte autobiographisch
aus der Sicht von Penny erzählt, ist zeitgleich mit der Premiere
des Filmes auf dem Kinderfilmfest erschienen.
Durch das schreckliche Ende des Films hat er mich zutiefst erschüttert.
Das Besondere an "Il Cielo cade" ist, dass hier eine schreckliche
Geschichte aus den Augen eines Kindes erzählt wird, das die Ereignisse
um sich herum mit Naivität, aber andererseits auch mit ungeheurer
Klarsicht sieht. Denn im Gegensatz zu den Erwachsenen spürt Penny
das heraufkommende Unheil.
Ebenfalls beeindruckend ist die letzte Szene des Films, denn hier mischt
sich die unendliche Trauer über das Drama, das sich vorher abgespielt
hat, und die unbegreifliche Freude über das Ende des Krieges, die
aufkommt, als der erste englische Soldat erscheint.
Ein ähnliches Gefühl hatte ich während des ganzen Films:
Denn die dunkle Vorahnung, die Penny im Film hegt, senkte sich auch
auf mich, als ich den Film sah, und dieses Gefühl stand im krassen
Kontrast zu der (scheinbar) heilen Welt, in der Penny und Baby aufwachsen.
Den beiden Regisseuren Andrea und Antonio Frazzi ist mit "Il Cielo
cade" ein beeindruckender Film gelungen. Die SchauspielerInnen
- besonders die "Eltern Einstein" Jeroen Krabbé und
Isabella Rossellini - sind größtenteils überzeugend
und spielen ihre Rollen authentisch. Besonders hervorzuheben sind auch
die Kameraführung und -einstellungen.
Der Film machte teilweise jedoch einen etwas harmlosen Eindruck auf
mich - häufig kamen mir die Szenerien vor wie eine Puppenhauswelt,
die Kinder zu adrett und sauber, und das wirkte häufig nicht besonders
authentisch.
Doch "Il Cielo cade" ist ein sehr guter Film, den ich auf
jeden Fall weiter empfehlen kann. Und da der Film aus der Sicht eines
Kindes erzählt wird und ein auch Kinder betreffendes Thema behandelt,
gehört er auf jeden Fall ins Programm des Kinderfilmfests.
Lukas
Macher